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Vorwärts

Gedanken, Ideen, Meinungen und Senf von Markus Tofalo

Die genannten Vorteile überzeugen nicht

St.Gallen hatte mal eines. Wenn es nach dem Kanton geht, soll es wieder eines haben. Im Konzept Verkehr'45 des Bundes im Programm Agglomerationsverkehr für St.Gallen ein Tram vorgesehen – zumindest ein halbes. Ist diese Investition sinnvoll? Die Nachteile überwiegen.

tram stgallenIn St.Gallen würde ein Tram grösstenteils auf den MIV-Spuren fahren. Der Platz für Eigentrassierung fehlt. Bildmontage: Tram: Basis Stadler Rail

Für eine Tramlinie vom Hauptbahnhof bis Stephanshorn sind im Programm Agglomerationsverkehr ab 6. Generation 300 Mio. Franken Bundesgelder im Plan. Effektiv kosten kann es das doppelte, bzw. das vierfache, wenn man eine komplette Linie von Gossau bis ca. Obere Waid rechnet. Kürzer ist wenig sinnvoll.

Bis 1957 verkehrten auf dem St.Galler Strassennetz fünf Tramlinien. Weil diese auf und nicht neben der Strasse fuhren, stellte man auf Trolleybusse um. So konnten die teuren und lästigen Gleise gespart werden. Flexibilität für ÖV und das aufkommende Auto waren weitere Gründe für die Umstellung. Diese Gründe haben heute noch Gültigkeit.

Die oft genannten Vorteile des Trams

  • schneller
    > Ein Tram fährt nur so schnell, wie der übrige Verkehr, ausser es hat ein eigenes Trassee
  • eigentrassiert
    > Wo Busspuren kein Platze haben, hat es auch keinen für Schienen. In St.Gallen, wo die Strassenräume enger sind als in vergleichbaren Städten, ist eine Eigentrassierung nur in Ausnahmen möglich.
    Die Schienengebundenheit kann auch ein Nachteil sein.
  • umweltfreundlicher
    > Trolleybusse fahren mit dem selben Strom. Ein Tram ist leicht umweltfreundlicher, weil es weniger Reibung erzeugt. Würde ein Bus so träge fahren wie ein Tram, wäre der Bremsverschleiss auch geringer.
  • Ein Tram wird als bequemer empfunden.
    > Das ist subjektiv. Dafür macht es mehr Lärm.
  • Visitenkarte für die Stadt – ein Tram zeigt mehr her.

Der einzige effektive Vorteil eines Trams ist das grössere Fassungsvermögen – bei allerdings längeren Kompositionen. Ein Tram fasst grundsätzlich nicht mehr Passagiere wie ein gleich langer Bus. Um gleich viele Personen zu transportieren, müssten also mehr Busse fahren. Die Personalkosten wären beim Bus also höher, vorausgesetzt, die Fahrzeuge sind gut genutzt.

 

Folie aus meinem Vortrag «Mobilität 2040»

Verkehrszukunft in St.Gallen

 

Platz für ein Tram fehlt

Ein Strasse mit Eigentrassierung eines Trams benötigt 20m Breite. Diesen Strassenraum gibt es beim Silberturm und im Lerchenfeld. Allerdings müssten heute vorhandene Linksabbiegespuren teilweise abgebaut werden.

Mit dem Abbau von Radstreifen, schmaleren Trottoirs und dem Verzicht auf Bäume und Parkplätze liesse sich an einigen Stellen Platz gewinnen. Der Preis dafür ist zu hoch. Radstreifen sind die beste Velolösung innerorts. Sie folgen den Hauptstrassen, der direktesten Route, und bieten, was Überholen und überall Abbiegen können, ihren Benützenden vollste Flexibilität. Auf Radstreifen verzichten würde bedeuten, dass Velofahrende nicht mehr von Autos überholt werden könnten.

Trottoirs sind wichtig für den Fussverkehr und die Aufenthaltsqualität der Anwohnerschaft. Und darum sind auch Bäume unerlässlich. Im Stadtraum bringen Bäume auch Kühlung und mehr Biodiversität. Zwischen den Bäumen lassen sich Parkplätze und Infrastruktur einordnen. In einer Güterabwägung kommen Bäume mit diesem Multifunktionsstreifen für mich noch vor einem Radstreifen. ÖV-Spuren wären für mich drittprioritär, ausser vielleicht an chronischen Stauabschnitten. ÖV-Bevorzugung kann auch mit Lichtsignalsteuerung und Fahrbahnhaltestellen erreicht werden.

Allgemeine Spurabbauten sind nicht möglich. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) braucht in jedem Fall eine Spur pro Richtung – aber nicht mehr. Mehrspurführungen gibt es in St.Gallen nur im Unteren Graben – und dort ist sie begründet.

S-Bahn

St.Gallen hat 4 Bahnhöfe: HB, Winkeln, St.Fiden und demnächst den Westbahnhof. Dazu kommen die 7 der Appenzeller Bahnen im Siedlungsgebiet: Riethüsli, Güterbahnhof, Marktplatz, Spisertor, Schülerhaus, Birnbäumen und Notkersegg. Ein 15-Minutentakt der S-Bahn zwischen Wil und mindestens Rorschach sowie zwischen Wittenbach und Herisau wären ein Gewinn. Bevor eine teure Traminfrastruktur geschaffen wird, gilt es ihn zu realisieren. 2013 wurde er versprochen.

Ergänzend zur S-Bahn müssten die Bahnhöfe zu echten Mobilitätshubs ausgebaut sein. An solche kann zeitsparend auf Busse umgestiegen werden. Dazu müssten die Busse jeweils an die Bahnhöf fahren können. Im Fall von St.Fiden ist dies schwierig. Ein neuer Bahnhofplatz könnte zumindest den Platz dafür bieten.Wenigestens einige Linien müssten diesen Umweg jedoch fahren. Regionallinien könnten an diesen Hubs enden, wer ins Zentrum will, steigt in eine S-Bahn oder einen VBSG-Bus um. Allerdings würden die Fahrzeiten nicht kürzer.

Zeitliche Auswirkung auf Fahrzeiten bei Hubs im ÖV-Netz Stadt St.Gallen

 

Lange Trams?

Die Wirtschaftlichkeit eines Trams hängt von dessen Länge ab. je länger, desto weniger Personal wird benötigt, desto günstiger ist der Betrieb. Die Frage ist: Will man in der ganzen Stadtachse Trams von 50m Länge? So lang ist eine Komposition der Appenzeller Bahnen.

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