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Gedanken, Ideen, Meinungen und Senf von Markus Tofalo

St.Gallen: Broderbrunnen

Reparatur des verkorksten Platzes

Auf alten Ansichten zeigte sich der Platz am Multertor mondän. Später wurde er dem Verkehr geopfert, dann leicht wieder von diesem befreit. Seiner Gestaltung hat man sich aber nie mehr richtig angenommen – oder annehmen dürfen. Sparen war angesagt. Dabei hätte der Platz um unseren schönsten Brunnen eine bessere Beachtung verdient.

multertor broderbrunnen stgallen

Den Platz um den Broderbrunnen separat zu betrachten, wäre ein Fehler. Genauso falsch wäre es, ihn als Teil einer Gestaltung der Achse St.Leonhard-Strasse – Oberer Graben zu sehen. Diese Achse ist ein Konstrukt, das sich aus einer praktischen Verkehrsführung so ergeben hat.

Wenn von Achsen gesprochen werden darf, dann ist es einerseits der Obere Graben vom Grünen Turm beim Hotel Einstein zum Schibenertor und anderseits die Linie Multergasse – Vadianstrasse. Diese Achsen kreuzen sich im Multertorplatz. Dass mit dem Bau der neuen Vorstadt nicht hier ein Platz angelegt wurde, ist ein städtebaulicher Fehler. Andere Städte habe vor Ihren Tore zeurst einmal den Freiraum betont, bevor die Boulevards begannen.

Wie lässt sich dieser Fehler korrigieren? Indem man diesem Bereich durch eine, seiner Bedeutung entsprechende, platzähnliche Gestaltung verleiht. Ist schwierig. Falsch gesetzte Bäume und Brunnen (der kleine neben dem Globus) sowie eine nicht hier verlaufen sollende Hauptstrasse sind keine idealen Voraussetzungen. Die Situation lässt sich nur noch mit einem Belag flicken, der einen Platz nachzeichnet. Und diesen ziehen wir bis über den Broderbrunnenplatz. Damit entsteht wieder so ein unförmiges Platzgebilde. St.Gallen hat keine gescheiten Plätze.

Ein Platz ist eine schöne geometrische Fläche, allseitig umschlossen von nach ihm ausgerichteten Fassaden. Marktplatz und Bohl entsprechen nicht dieser Idealform. Diese könnte allerdings mit einer wahrscheinlich höchst umstrittenen Massnahme man hinkriegen.

Mehr dazu hier.

Der Schibenertorplatz hätte fast Idealvoraussetzungen dafür. Dazu müsste aber der Verkehr auf wenigstens eine Seite konzentriert werden.

Mehr zum Schibenertorplatz

 

platz kreuzung prinzip
Gleiche Situation. Der Unterschied liegt nur in der Gestaltung, ob sie als Kreuzung oder als Platz wahrgenommen wird.

 

Den Kornhausplatz beim Hauptbahnhof hat man durch seinen akzentuiert angelegten Granitboden gut «repariert». Grosstädtischer als hier könnte es in ganz St.Gallen nirgends wirken – ausser vielleicht am Broderbrunnen.

Der Platz um den Broderbrunnen ist zirka dreieckig. Auf zwei Seiten prägen ihn markante Fassaden, jene der alten Börse (heute UBS) und die moderne der Credit Suisse. Die dritte Seite müsste noch mit einer ergänzt werden, denn was dort steht, macht einen zufälligen Eindruck: Ausläufer einer Kleinstadthäuserzeile, Seitenfläche eines nach Seitenstrassen ausgerichteten Langbaus und der Einblick in einen Hinterhof. Genau davor müsste ein Gebäude mit einer Passage zum Hof zu stehen kommen.


broderbrunnen platz schliessung

Ich habe mir bei obiger Fotomontage nicht viel Zeit mit der Auswahl der Fassade genommen. Sie könnte besser sein, unten etwas offener. Es geht mir hier nur darum, die Verbesserung der Gesamtsituation aufzuzeigen, welche mit der Schliessung dieser Lücke entsteht. Übrigens: Grünere Bäume wäre sicher auch schöner...

Der Platz braucht eine Gestaltung. Immerhin, der Platz sah schon schlimmer aus, wenn ich an die einstigen Fahrspuren vor der CS denke. Muss es ein Pärkli um den Brunnen sein? Ich bin nicht sicher. Ein solches Pärkli macht aus einem Platz wieder ein Strasssedreieck. Ich finde einen Platz besser.

Der Platz als Eingang – als Tor – zur Altstadt.
Der Platz als Start zur St.Leonhard-Allee.

Ich sehe schon den Weihnachtsmarkt am Multertor und Broderbrunnen. (Man mag von Weihnachts- und Glühweinmärkten halten, was man will. Aber sie bringen Leute in die Stadt!)

Dieses ergänzende Gebäude wird wohl kaum Realität werden können. Bleibt also nur der Boden, an welchem geschraubt werden kann, damit der Platz mehr als solche wahrgenommen wird. Wie das gelungene Beispiel Kornhausplatz zeigt, kann mit einer parallel der umschliessenden Fassaden nachgezeichneten Linie im Belag sehr viel erreicht werden, zumal diese auch fast parallel zur Brunnenumrandung verläuft. Das funktioniert auch, wenn ein Platz von Strassfahrbahnen durchquert wird.

Bestimmt gibt es bessere Ideen für die Belagsgestaltung – mein Zeitbudget liess die Suche nach ihnen nicht zu. Doch schon die Linien, welche ich um den Brunnen gezeichnet habe, ergeben die gewünschte Wirkung – aus einer Kreuzung wird ein Platz.

 

broderbrunnen platz und multertor stgallen

1

Broderbrunnenplatz: Ein akzentuierender Belag verbessert seine Platzwirkung. Noch besser wäre es, wenn diese auch farblich im Fahrbahnbelag gelesen werden könnte.

2

Multertor: Die historische Gerade Multergasse – Vadianstrasse sollte gestalterisch angedeutet werden. Sie könnte z.B. als Velospur ausgebildet sein.

3

Dass es mit nur einer Spur auf dem Oberen Graben funktioniert, haben wir ja gesehen (auch wenn es einzelne nicht wahr haben wollen).

4

St.Leonhard-Allee. Wünschenswert wären Bäume auf beiden Strassenseiten. Der Platz wird das aber nicht zulassen.

5

Oberer Graben: Nach Eliminierung der Busspur ist hier – wie dies vom St.Galler Heimatschutz vorgeschlagen wurde – Platz für eine echte Allee.

6

Globus-Vorplatz: Zu gerne würde ich diesen kleinen Marktplatz in den Multertorplatz gestalterisch integrieren.

7

Ebenfalls miteinbezogen werden müsste der Vorplatz des Textilmuseums. Die Bedeutung dieses Hauses für die Stadt und den Tourismus wird leider oft verkannt.

8

Blockschliessung durch einen Neubau mit einer Hofpassage.

 

oberer graben schibenertor stleonhardstrasse stgallen

Gesamtsituation

Es gilt, den Unterschied von Strassen und Plätzen stärker hervorzuheben.

Plätze sind als solche zu gestalten: einheitliche Fläche bis an die Ränder, auch wenn diese von Fahrbahnen unterbrochen wird.
Strassen verbinden Plätze. Ihr Verlauf sollte ebenfalls gut lesbar sein. Alleen sind – neben ihrer kühlenden Wirkung – auch dazu nützlich.
Wichtige Fussgängerpassagen (rote Pfeile) offen und sichtbar halten. Diesen Punkt gilt es im besonderen beim Um-/Neubau einer allfälligen Bibliothek im Uniongebäude beim Schibenertorplatz zu beachten

Poststrasse

Warum fharen die Busse nicht auf der Bahnhifstrasse ostwärts? Dann könnte der gelungene Boulevard Poststrasse bis zum Oberen Graben durchgezogen werden.

Velorouten

Als Alltagsvelofahrer darf gerade ich diese nicht vergessen. Doch irgendwie passen Velofahrbahnen nicht so richtig in die Gestaltung von Strassen und Plätzen in Innenstädten. Uns fehlt es an Platz. Das Konzept «Begegnungszone» erlaubt die Koexsitenz aller Verkehrsteilnehmenden. Eine schnelle Veloroute durch unser Zentrum zu finden ist eine schwierige Aufgabe. Auch durch den Marktplatz will es nicht richtig klappen. Das aktuelle Projekt «Vadian» zeigt, dass dort keine richtig gute Lösung gefunden werden kann.

 

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Auf alten Ansichten wirkt der Platz mondän. Neben den klassizistischen, reich verzierten Fassaden mag dies auch am Pärkli um den Brunnen wirken. Manche vermissen dieses. Doch will man es tatsächlich zurück? Ich nicht.

 

Grafiken: Markus Tofalo basierend auf Plänen von Geofit AG und Orthofotos des digitalen Stadtplans

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