Sie wird als trist und misslungen wahrgenommen. Würde die Zürcher Strasse in St.Gallen-Lachen nochmals neu geplant werden, sie würde wohl anders aussehen. Das Projekt von 2018 erscheint heute wie aus einer anderen Zeit: zu viel Asphalt, zuwenig grün. Von der Absicht, mehr Aufenthaltsqualität zu erreichen, ist wenig übrige geblieben. Ganze vier Bäume wurden zusätzlich gepflanzt. Ein Platz, wie er im abgelehnten Projekt von 2006 noch angedacht war, ist keiner vorhanden.
Typisches Bild dere neuen Zürcher Strasse mit betoniertem Multifuntions-Mittelstreifen
Den Durchbruch erhielt die Idee eines Multifunktionsmittelstreifens durch das Beispiel in Köniz. Dort wurde die Hauptdurchgangsstrasse um einen solchen ergänzt. Gleichzeitig wurden die Höchstgeschwindigkeit auf 30km/h reduziert, Lichtsignalanlagen abgebaut und Fussgängerstreifen reduziert. Der Effekt: Der Verkehr wurde zwar langsamer, aber flüssiger und die Strasse konnte nun überall einfacher überquert werden.
Der Mittelstreifen dient als
Überbreite Trottoirs ohne erkennbaren Sinn prägen das Bild.
In der Zürcher Strasse gilt 50 km/h. Ein Radstreifen ist vorhanden und Fussgängerstreifen auch. Der Mittelstreifen ist somit nur noch für Linksabbiegende sinnvoll. Oder zur Begrünung. Mit diesen Funktionen hätte es ihn jedoch nicht auf der ganzen Länge benötigt. Daher überzeugt rückblickend diesbezüglich das Projekt von 2006 mehr, als der Mittelstreifen nur im Zentrum von Lachen geplant war. In der Steigung beim Schulhaus Schönenwegen hätte eine normal breite Fahrbahn Platz für seitliche Mutlifunktionsstreifen mit Bäumen und Parkplätzen geboten.
Der Vergleich zeigt die Baum- und Parkplatzbilanz, die sich mit der ausgeführten Lösung gegenüber 2006 stark verschlechterte. Besser hingegen ist die Ausführung der Bushaltestellen, die 2006 noch als übergrosse Betonplätze angelegt waren.
vorher | Projekt 2006 | ausgeführt | ||
Zentrum | Steigung | |||
Breite MIV-Spur | 2.60m | 2.85m | 3.00m | |
Breite Radstreifen | 0 | 1.40m | 1.40m | 1.25m |
Breite Mittelstreifen | 0 | 2.00m | 0 | 2.50m |
total Breite Fahrbahn | 12.00m | 10.00m | 8.50m | 11.00m |
Bäume | 4 | 21 | 9 | |
Plätze | 0 | 2 | 0 | |
Parkplätze | 55 | 51 | 26 | |
Fussgängerübergänge | 6 | 10 | 6 | |
Bus Fahrbahnhaltestellen | 0 | 0 | 4 | |
Bushaltebuchten | 6 | 6 | 2 |
Das Leitbild «Grünes Gallustal» sieht in diesem Abschnitt der Zürcher Strasse 86 Bäume und 87 Parkplätze vor.
Zürcher Strasse vor dem Umbau:
Zürcher Strasse nach dem Umbau, klar erkennbar ist der helle Mitelstreifen:
Plan zur Neugestaltung von 2018:
Abgelehnter Plan zur Neugestaltung von 2006:
Ausschnitt Bereich Schönenwegen vorher:
Ausschnitt Bereich Schönenwegen nachher:
vorher:
nachher, die Ulmenstrasse hat Sortierspuren:
Plan von 2006, die Ulmenstrasse war abgesperrt:
So wurde der Platz an dieser Kreuzung im Abstimmungsbüchlein von 2006 dargestellt, Blick von der Salistrasse über die Zürcher Strasse zur Ulmenstrasse:
Es gibt keinen Grund, warum man diesen Platz nicht so hätte realisieren können. Zusammen mit der Ulmenstrasse als Flanierstrasse hätte Lachen ein echtes Quartierzentrum erhalten, siehe hier (Plan Markus Tofalo):
Die Ulmenstrasse verbindet das Quartierzentrum und die Bushaltestelle an der Zürcher Strasse mit den neuen Geschäften. Auch entlang der Strasse haben sich neue Läden angesiedelt.
So sieht die Strasse heute aus, erst gerade neu gestaltet. Für eine Einbahnstrasse ist sie sehr breit. Vor der Einmündung in die Zürcher Strasse hat sie Sortierspuren:
Im Leitbild «Grünes Gallustal» wird auch hier, wie für die meisten Strassen, eine Allee vorgeschlagen. Der Platz für Autos ist für eine einspurige Einbahnstrasse genügend. Die Trottoirbereiche sind unversiegelt gedacht. Der Ausbau zu einem Miniboulevard begünstigt auch die Ansiedlung von weiteren Geschäften – das Mini-Boulevardchen wäre eine Aufwertung für das Lachen-Quartier:
Ulmeboulevard
Mehr über die Strassenraumgestaltung in Lachen gemäss «Grünes Gallustal»
Für viele sind die überbreiten Trottoirs irritierend. Hier wäre Platz für mehr Bäume oder zumindest mehr Grün:
Seit 2018 hat sich die Haltung zur Strassenbegrünung bei den Planenden aufgrund neuer Erkenntnisse und den entsprechenden Reglementen und Konzepten der Stadt stark geändert. Wünschenswert wäre: Belag aufschneiden und Bäume nachpflanzen. Leider ist davon auszugehen, dass sich hier Leitungen darunter befinden, was diese Idee verunmöglicht. Zumindest Beete mit Stauden wie im Mittelstreifen wären hier möglich. Dass Aufschneiden machbar ist, hat zuletzt Rorschach mit der Begrünung der Signalstrasse demonstriert.
Nachträgliche Begrünung durch Aufschneiden des Belags
Quelle Pläne 2006: Abstimmungsbüchlein
Quelle Luftbilder: Geoportal; Fotos: Markus Tofalo; Pläne: Stadt St.Gallen