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Vorwärts

Gedanken, Ideen, Meinungen und Senf von Markus Tofalo

Sie wird als trist und misslungen wahrgenommen. Würde die Zürcher Strasse in St.Gallen-Lachen nochmals neu geplant werden, sie würde wohl anders aussehen. Das Projekt von 2018 erscheint heute wie aus einer anderen Zeit: zu viel Asphalt, zuwenig grün. Von der Absicht, mehr Aufenthaltsqualität zu erreichen, ist wenig übrige geblieben. Ganze vier Bäume wurden zusätzlich gepflanzt. Ein Platz, wie er im abgelehnten Projekt von 2006 noch angedacht war, ist keiner vorhanden.

zuercherstrasse stgallen lachen mittelstreifen

Typisches Bild dere neuen Zürcher Strasse mit betoniertem Multifuntions-Mittelstreifen

Wozu ein Mittelstreifen?

Den Durchbruch erhielt die Idee eines Multifunktionsmittelstreifens durch das Beispiel in Köniz. Dort wurde die Hauptdurchgangsstrasse um einen solchen ergänzt. Gleichzeitig wurden die Höchstgeschwindigkeit auf 30km/h reduziert, Lichtsignalanlagen abgebaut und Fussgängerstreifen reduziert. Der Effekt: Der Verkehr wurde zwar langsamer, aber flüssiger und die Strasse konnte nun überall einfacher überquert werden.

Der Mittelstreifen dient als

  • Einspurstreifen für Linkasbbeigende
  • Mittelinsel für Zufussgehende und Velofahrende
  • Raum zum Velofahrende überholen, wenn, wie in Köniz, kein Radtsreifen vorhanden ist.


zuercherstrasse stgallen lachen2Überbreite Trottoirs ohne erkennbaren Sinn prägen das Bild.

Die wichtigsten Veränderungen der Zürcher Strasse

In der Zürcher Strasse gilt 50 km/h. Ein Radstreifen ist vorhanden und Fussgängerstreifen auch. Der Mittelstreifen ist somit nur noch für Linksabbiegende sinnvoll. Oder zur Begrünung. Mit diesen Funktionen hätte es ihn jedoch nicht auf der ganzen Länge benötigt. Daher überzeugt rückblickend diesbezüglich das Projekt von 2006 mehr, als der Mittelstreifen nur im Zentrum von Lachen geplant war. In der Steigung beim Schulhaus Schönenwegen hätte eine normal breite Fahrbahn Platz für seitliche Mutlifunktionsstreifen mit Bäumen und Parkplätzen geboten.

Der Vergleich zeigt die Baum- und Parkplatzbilanz, die sich mit der ausgeführten Lösung gegenüber 2006 stark verschlechterte. Besser hingegen ist die Ausführung der Bushaltestellen, die 2006 noch als übergrosse Betonplätze angelegt waren.

  vorher Projekt 2006 ausgeführt
    Zentrum Steigung  
Breite MIV-Spur   2.60m 2.85m 3.00m
Breite Radstreifen 0 1.40m 1.40m 1.25m
Breite Mittelstreifen 0 2.00m 0 2.50m
total Breite Fahrbahn 12.00m 10.00m 8.50m 11.00m
Bäume 4 21 9
Plätze  0 2 0
Parkplätze 55 51 26
Fussgängerübergänge 6 10 6
Bus Fahrbahnhaltestellen 0 0 4
Bushaltebuchten 6 6 2

 

Das Leitbild «Grünes Gallustal» sieht in diesem Abschnitt der Zürcher Strasse 86 Bäume und 87 Parkplätze vor.

 

Hier Vergleichsbilder

Zürcher Strasse vor dem Umbau:

Zürcher Strasse Luftbild vorher


Zürcher Strasse nach dem Umbau, klar erkennbar ist der helle Mitelstreifen:

Zürcher Strasse St.Gallen Luftbild nachher


Plan zur Neugestaltung von 2018:

Zürcher Strasse, Plan des ausgeführten Projekts


Abgelehnter Plan zur Neugestaltung von 2006:

Zürcher Strasse, Projekt von 2006 aus der Abstimmungsvorlage


Ausschnitt Bereich Schönenwegen vorher:

zuercherstrasse stgallen luftbild 1 vorher


Ausschnitt Bereich Schönenwegen nachher:

zuercherstrasse stgallen luftbild 1 nachher


Auffälligste Unterschiede von 2006 zur realisierten Lösung:

  • Der Mittelstreifen wurde 2006 beschränkt auf den Zentrumsbereich von Lachen, in der Steigung war eine schmalere Fahrbahn geplant. Dies eröffnete mehr Platz für Parkplätze und Bäume.
  • An der Kreuzung Ulmenstrasse–Salistrasse war 2006 eine kleine Platzgestaltung vorgesehen.
  • Bushaltestellen waren 2006 in Kammern, breiter als der Fahrbahnquerschnitt. Ihre Funktion war wie Busbuchten gedacht. Haltende Busse liessen sich überholen.

Der Bereich Ulmenstrasse–Salistrasse im Detail

vorher:

zuercherstrasse stgallen luftbild 2 vorher


nachher, die Ulmenstrasse hat Sortierspuren:

zuercherstrasse stgallen luftbild 2 nachher

Plan von 2006, die Ulmenstrasse war abgesperrt:

zuercherstrasse stgallen plan 2 2006


So wurde der Platz an dieser Kreuzung im Abstimmungsbüchlein von 2006 dargestellt, Blick von der Salistrasse über die Zürcher Strasse zur Ulmenstrasse:

platz zuercherstrasse stgallen lachen skizze

Es gibt keinen Grund, warum man diesen Platz nicht so hätte realisieren können. Zusammen mit der Ulmenstrasse als Flanierstrasse hätte Lachen ein echtes Quartierzentrum erhalten, siehe hier (Plan Markus Tofalo):

lachenplatz

Die Ulmenstrasse als Flanierstrasse zur neuen Migros-Filiale

Die Ulmenstrasse verbindet das Quartierzentrum und die Bushaltestelle an der Zürcher Strasse mit den neuen Geschäften. Auch entlang der Strasse haben sich neue Läden angesiedelt.

So sieht die Strasse heute aus, erst gerade neu gestaltet. Für eine Einbahnstrasse ist sie sehr breit. Vor der Einmündung in die Zürcher Strasse hat sie Sortierspuren:

ulmenstrasse stgallen


Im Leitbild «Grünes Gallustal» wird auch hier, wie für die meisten Strassen, eine Allee vorgeschlagen. Der Platz für Autos ist für eine einspurige Einbahnstrasse genügend. Die Trottoirbereiche sind unversiegelt gedacht. Der Ausbau zu einem Miniboulevard begünstigt auch die Ansiedlung von weiteren Geschäften – das Mini-Boulevardchen wäre eine Aufwertung für das Lachen-Quartier:

ulmenstrasse stgallen baeumeUlmeboulevard

Mehr über die Strassenraumgestaltung in Lachen gemäss «Grünes Gallustal»

 

Mehr Bäume

Für viele sind die überbreiten Trottoirs irritierend. Hier wäre Platz für mehr Bäume oder zumindest mehr Grün:

zuercherstrasse stgallen lachen1zuercherstrasse stgallen lachen1 mi baeumen

Seit 2018 hat sich die Haltung zur Strassenbegrünung bei den Planenden aufgrund neuer Erkenntnisse und den entsprechenden Reglementen und Konzepten der Stadt stark geändert. Wünschenswert wäre: Belag aufschneiden und Bäume nachpflanzen. Leider ist davon auszugehen, dass sich hier Leitungen darunter befinden, was diese Idee verunmöglicht. Zumindest Beete mit Stauden wie im Mittelstreifen wären hier möglich. Dass Aufschneiden machbar ist, hat zuletzt Rorschach mit der Begrünung der Signalstrasse demonstriert.

Nachträgliche Begrünung durch Aufschneiden des Belags

 

 

Quelle Pläne 2006: Abstimmungsbüchlein

Quelle Luftbilder: Geoportal; Fotos: Markus Tofalo; Pläne: Stadt St.Gallen

 

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