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Gedanken, Ideen, Meinungen und Senf von Markus Tofalo

Bahnhof St.Fiden: Bericht zur Entwicklung veröffentlicht

Wird die Chance für ein neues Zentrum verpasst?

Letzte Woche wurde der lang erwartete Bericht zur «Entwicklung St.Fiden-Heiligkreuz» des Stadtplanungsamts St.Gallen veröffentlicht. Das Resultat dieser «Gebietsanalyse aufgrund bestehender Grundlagen», erstellt von der Metron Raumentwicklung AG aus Brugg (AG), ist bodenständig und enttäuschend. Er entsprciht einem Plan von 2012: Verschiebung der Bachstrasse, Verschiebung und Vergrösserung der Mirgos, füllen der restlichen Flächen mit Wohn- und Gewerbebauten – Betonung auf Füllen.

Überbauung Bahnhof St.gallen St.Fiden mit neuer Mirgos
Verdichten ist grundsätzlich richtig. Ich bin sogar für hohe Verdichtung. Aber dazwischen braucht es grosszügige Freiräume: Parks, Plätze oder auch Boulevards. Ausser eine paar Meter freigelegter Bäche ist im Plan von Metron nichts zu sehen.

Bevorzugte Entwicklungsvariante

Ein neues Quartierzentrum: Mein Projekt

Studie zur Üderdeckung

Historisches

Minimale Wünsche


Bahnhof St.Fiden: Ist-Zustand

Zwischen Bachstrasse und dem Bahnhofsgelände liegt eine grosse Brachfläche. Diese sinnvoll zu nutzen ist die Absicht.

Areal St.Fiden mit Brachland und Passarelle

Bevorzugte Entwicklungsvariante

So sehen die Planer eine mögliche Überbauung dieses Gebiets:

St.Fiden bevorzugte Entwicklungsvariante mit neuer Migros

Dieses Bild zeigt die resultierende bevorzugte Entwicklungsvariante. Das 52-seitige Dokument «Entwicklung St.Fiden-Heiligkreuz» kommt zum Schluss, dass die Bachstrasse an die Grenze zum Bahngelände verlegt werden soll. Dies begünstigt die Erschliessung und schaffe der Migros die Möglichkeit, ihr Einkaufszentrum an diesem Standort zu vergrössern.
Wichtige Anmerkung: Mir fehlten Angaben zu Gebäudehöhen und Gestaltung, daher gibt diese Visualisierung die Absicht der Planer nur ansatzweise wieder.

Ähnliches habe ich schon vor Jahren gesehen. Der Verdacht liegt nahe, dass hier auf einer Migros-Idee aufgebaut wurde. Der Auftrag gilt als erfüllt, wenn es em Kunden gefällt.

Folgendes missfällt

  • Die Erschliessung unterscheidet sich nicht von der aktuellen. Zu- und Wegfahrt des Einkaufszentrums erfolgen weiterhin durch Wohnquartiere, ausser man sperrt die Heimatstrasse explizit.
  • Überbaut wird äusserst dicht. Das ist zu begrüssen. Ich vermisse aber einen zentralen Platz. Gemeint ist ein Platz, der also solcher wahrgenommen wird, nicht eine Kreuzung oder den Eingangsbereich des Einkaufszentrums.
  • Das grosse Einkaufszentrum wirkt wie ein Fremdkörper im Wohnquartier.
  • Ausser einer weiteren Passarelle ist keine Quartierverbindung und kein Bahnhofszugang erkennbar.
  • Die Steinach und der Tanneichenbach, ein Seitenbach, werden teilweise freigelegt (im Bild unglücklicherweise hinter den Gebäuden). Eigentlich positiv. So, wie dies hier aber angedacht ist, riecht es nach Alibiübung, denn Aufenthaltsqualität bringen diese kurzen strassenbegleiteten Abschnitte nicht.

St.Fiden bevorzugte Entwicklungsvariante Plan
Variante 5Bneu - Gewässervariante 3, MBK EBP, 2015 (Metron AG)

Zusammenfassend

Dieses Szenario ist sicher die einfachst mögliche und bequemste Variante, möglich weise auch die realistischste. Hindernisse wird es nicht viele geben. Es greift die SBB-Parzelle nicht an, erfüllt die Migros-Wünsche und schafft Platz für Wohnen, Gewerbe und Verkehr.
Einen Preis für gelungene Stadtplanung kriegt man dafür nicht.

St.Fiden: Ein neues Quartierzentrum

Quartierzentrum St.Fiden mit Bahnhofplatz, Überdeckung und Weiher
Die Idee habe ich detailliert schon hier vorgestellt und erklärt.

Zusammenfassend die Vorteile

  • Erschliessung Einkaufszentrum von der Splügenbrücke: Sicher wird diese bezüglich Stauraum und Sichtwinkel etwas aufwendiger erfolgen müssen als im obigen Bild dargestellt. Der Vorteil ist aber klar: Direkter als so geht es nicht.
  • Die Bahngleise werden nur auf einem kurzen Abschnitt überdeckt. Die beiden Türme darüber sollte sie finanzieren.
  • Der Bahnhof hat einen zweiten, grösseren und repräsentativeren Zugang. Die innere Verbindung bis Verschmelzung zum Einkaufszentrum ist ein Eckpfeiler dieser Idee.
  • Am Standort der alten Migros ist ein Weiher vorgesehen. Zusammen mit dem Bahnhofplatz bildet er ein neues Quartierzentrum.

Die Nachteile

  • Die Splügenbrücke mit ihrem Pfeiler zu umbauen ist eine Herausforderung
  • Die SBB wird sich querlegen
  • Die Überdeckung ist ein finanzieller Kraftakt

Überdeckung

In der bevorzugten Entwicklungsvariante ist auch eine Überdeckung als Option erwähnt. Vom Verfasser wird sie bei einer hohen Ausnutzung als wirtschaftlich beurteilt.

Zeilenbauweise auf der Überdachung St.Fiden
Bild: Mögliche Überbauung einer Überdeckung gemäss Nüesch Development

Den Verfassern dieser Idee geht es darum, aufzuzeigen, dass eine Überdeckung finanzierbar ist, wenn darüber genügend dicht und hoch gebaut werden könnte. Einen Anspruch auf effektive Realisierbarkeit haben sie nicht. Eine solche wäre auch nicht denkbar:

  • Die Migros wird kaum auf diesen Standort verzichten.
  • Die Zeilenbauweise mit vermutlich 8-geschossigen Bauten wirkt sehr additiv.
  • Sehr dicht ist die Bebauung entlang der Bachstrasse. Das kommt nicht überall gut an, zumal auch Grünflächen gewünscht sind. Diese sind zwar vorhanden, aber werden im Endeffekt den einzelnen Liegenschaften zugeordnet und somit der Öffentlichkeit vorenthalten.
  • Die totale Überdeckung reicht von der Buchentalbrücke bis zur geplanten Olmahalle, also bis zum Portal des Rosenbergtunnels. So schön dies wäre, es bleibt sehr visionär.

Und daher unterstelle ich den Planverfassern bzw. Auftraggebern, mit dieser Maximalvariante aufzeigen zu wollen, dass eine Überdeckung ohnehin nicht realisierbar wäre.

Im Übrigen halte ich diesen Plan der Überdeckung Bahnhof St.Fiden von Nüesch Development durchaus für gut. Auch er verfügt über einen zentralen Platz, eine städtische Bebauung und Verbindungen über die Gleise. Ich wünsche mir aber mehr Bezug zu gewachsener Bausubstanz und mehr öffentliches Grün.
Die Freilegung der Steinach und Markierung mit einer Allee ist sehr zu begrüssen.

Gewünscht, ein echtes Quartierzentrum

Der vorliegende Bericht bildet nun die Grundlage für die Testplanung. Man darf auf die Resultate gespannt sein. Eine Überdeckung ist möglicherweise visionär. Ich wünsche mir aber im Minimum:

  • einen zentralen Platz, der als solcher wahrgenommen wird, also keine blosse Kreuzung
  • einen nordseitigen Bahnhofszugang, der nach S-Bahnhof aussieht, idealerweise am zentralen Platz.
  • Eine durchmischte Nutzung, am Platz eine offene Erdgeschossnutzung
  • MIV-Erschliessung nicht durch die Heimatstrasse
  • Wasser, nicht nur ein Brunnen oder ein Kanälchen zwischen Migros-Fassade und Bachstrasse.
  • Ein Quartierzentrum St.Fiden-Heiligkreuz-Bach

Historisches

Schon vor der Stadtverschmelzung 1918 war hier ein zentraler Platz geplant. Von dieser Idee wurden nur die Brücke und die Häuserzeile entlang der Lindenstrasse realisiert. Die alte Splügenbrücke wurde wegen der Autobahn Ende der 1970er abgebrochen.

St.Fiden, akte Splügenbrücke

Unten: Gleicher Standpunkt heute

stfiden standort spluegenbruecke
Luftbilder und Grundlagen für die obigen Perspektiven: Google Earth

Intention

Dass man sich bei solchen Planungen am Möglichen orientiert, ist naheliegend. Schliesslich gilt es, sich an Normen und die Besitzstandswahrung zu halten. Bei meinen Plänen pflege ich, solche Vorgaben etwas zu strecken. Dabei gelangt durchaus auch die Kritik zu mir, immer noch zuwenig visionär und mutig zu sein. Ich habe aber auch den Anspruch, dass es, wenn auch etwas komplizierter, realisierbar wäre. Mit komplizierter meine ich den Einbezug von Landabtausch, Entschädigungen aber auch die Infragestellung von Normen und Gesetzen. Ich glaube, stets durchdachte Lösungen zu finden.

Damit will nicht gesagt sein, dass die in monatelanger Arbeit erarbeiteten Pläne und Papiere anerkannter Planer nicht durchdacht sind. Im Gegensatz zu den professionellen Arbeiten von Ingenieuren und Planern basieren meine Resultate auf einfach zugänglichen Grundlagen, Schätzungen und Handgelenk-mal-Pi-Zeichnungen – unwissenschaftlich also. Ich versuche, in möglichst wenigen Stunden meine Ideen zu erklären. Für tiefgründige Überprüfungen fehlt mir die Zeit. Wenn ich mit meinen Ausführungen dazu beitragen kann, festgefahrene oder – aus meiner Ansicht – falsch gerichtete Planungen zu überdenken, hat meine Arbeit einen Sinn.

Ich vermisse in den öffentlichen Planungen neue Ansätze. Ich wünsche mir, dass nach einer Fertigstellung nicht von verpassten Chancen zu hören ist und von lieblosen Zwecklösung geschrieben wird, wie aktuell beim Sonnenplatz Rotmonten, beim Bahnhof Nord, beim Riethüsliplatz oder so manchen neu erbauten Quartieren.

Wenn meine Ideen von dritten aufgegriffen werden, wenn sie Teil eines Prozesses bilden, Grundlagen für die Lösungsfindung sind, oder auch nach dem Ausschlussverfahren einen unmöglichen Weg aufzeigen, hat sich der Aufwand gelohnt.

Ich wünsche mir, dass bei Arealüberbauungen dieser Art die Chancen zur Schaffung neuer Stadträume wahrgenommen werden. Ich glaube. Hier bin ich nicht der einzige.

Markus Tofalo

 

Gebietsanalyse aufgrund bestehender Grundlagen, Stadtplanungsamt Stadt St.Gallen

Mein Vorschlaug für ein Quartierzentrum St.Gallen-St.Fiden

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