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Vorwärts

Gedanken, Ideen, Meinungen und Senf von Markus Tofalo

Mobilität hat ihren Preis

Wiederholt kommen Forderungen, den öffentlichen Verkehr kostenlos anzubieten – mal in Städten, mal für junge Menschen, mal generell. Das Schweizer ÖV-Netz ist auf einem hohen Niveau. Es ist räumlich und zeitlich gut ausgebaut. Das erklärt den grossen Erfolg des öffentlichen Verkehrs. Doch das Personal arbeitet nicht gratis, die Infrastruktur ist teuer, und der Unterhalt erledigt sich nicht von selbst. Mobilität hat ihren Preis.

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Daher darf der ÖV nicht gratis sein. Wer soll ihn sonst bezahlen? Alle? Die Steuerzahlenden? Niemand?
Gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV), also dem Auto, sollen Bahn und Bus zwar günstiger sein. Umweltgerechtes Verhalten gilt es zu belohnen, umweltschädliches zu verteuern – eine Lenkungswirkung hin zum Umstieg auf den ÖV ist erwünscht. Doch anstatt das eine immer weiter zu verbilligen, könnte man auch das andere verteuern. Mobilität ist generell zu günstig: In der gesamten Menschheitsgeschichte waren die Kosten pro Kilometer und Zeit noch nie so tief.

Anstatt den ÖV zu verbilligen, sollte der MIV seine Kosten decken.


Mobilität ist ein Grundbedürfnis,
stiess jedoch immer an Grenzen. Wurden diese erweitert, wurden neue ausgereizt. Mit der Erfindung der Bahn reiste man weiter, mit dem Auto wurde man unabhängiger. Würde etwa die Swissmetro – die Idee einer unterirdischen Magnetschwebebahn aus den 1980er-Jahren – realisiert und man käme in 20 Minuten von St.Gallen nach Zürich, würde man dieses Angebot nutzen und bald als selbstverständlich betrachten. Und wiederum würde argumentiert, Reisen sei ein Grundbedürfnis und müsse möglichst günstig sein – es dürfe schliesslich nicht nur Reichen vorbehalten sein.

 

Ein paar Zahlen

  • Durchschnittlicher Kostendeckungsgrad des Regionalverkehrs in der Schweiz: ca. 48 bis 52 %
  • Kostendeckungsgrad des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV): 65.3 %
    Der Kostendeckungsgrad zeigt, wie viel des Aufwands durch eigene Erträge (Tickets, Abos) gedeckt wird.
  • ÖV-Subventionen des Kantons St.Gallen 2024: 136 Mio. CHF
  • Auto, Zug und Flugzeug verursachen in der Schweiz Kosten von über 100 Milliarden Franken pro Jahr – rund 12'000 Franken pro Kopf (SRF)

Verspätung Eurocity von MünchenDie chronischen Verspätungen des Eurocity von München nach Zürich sind die Folge von mangelndem Streckenunterhalt infolge Finanzknappheit bei der Deutschen Bahn. Bild: Anzeigetafel am Hauptbahnhof St.Gallen.

 

Dem Velo ist der Vorzug zu geben

Der VCS fordert in einer Petition, dass das Halbtax auf 100 CHF gesenkt wird, für unter 25-Jährige gratis ist und dass für alle unter 16 Jahren der ÖV kostenlos sein soll.
Doch was nichts kostet, wird tendenziell stärker genutzt. In der Folge wären Busse und Züge in Agglomerationen noch voller. Jugendliche, die bislang aus Kostengründen mit dem Velo zur Schule fahren, würden vermehrt den ÖV benutzen.

Auch Busse und Züge belasten Klima und Umwelt – wenn auch deutlich weniger als das Auto. Deshalb sollte dem Velo grundsätzlich der Vorzug gegeben werden, ebenso der Vermeidung langer Pendelwege.

«Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten.» Dieser Grundsatz gilt auch für den öffentlichen Verkehr: Wer Angebote schafft, erzeugt Nachfrage. Wer sie verbilligt oder gratis anbietet, steigert sie zusätzlich. Der Verkehr nimmt zu, Kapazitätsgrenzen werden erreicht, ein weiterer Ausbau wird nötig – und wieder stellt sich die Frage: Wer bezahlt?

Mobilität hat ihren Preis. Die effektiven Kosten müssen gedeckt sein, Subventionen sind möglichst zu minimieren. Im Flugverkehr sind sie ohnehin zu streichen: Für Flugtickets fällt keine Mehrwertsteuer an, und eine Mineralölsteuer auf Kerosin existiert ebenfalls nicht – ein klarer Missstand.

Was nichts kostet, wird übernutzt.


Durch eine Lenkung über den CO₂-Ausstoss sollten klimafreundliche Verkehrsmittel günstiger und klimaschädliche teurer werden. Auch Velowege verursachen Kosten, die grundsätzlich gedeckt sein sollten – idealerweise durch die Verursachenden. Allerdings sind diese Kosten vergleichsweise gering, und das Velo sollte aus Umweltgründen nicht stark belastet werden. Zudem stehen Fuss- und Velowege allen offen und werden breit genutzt. Eine Finanzierung durch die Allgemeinheit ist daher gerechtfertigt.

stgallen vbsg bus lang


15-Minuten-Stadt

Mobilität kostet – auch Zeit. Kurze Wege bedeuten Zeitgewinn. Wäre es nicht sinnvoller, wenn Wege im Alltag generell kürzer wären? Die Idee der 15-Minuten-Stadt wird etwa in Paris umgesetzt: Alle wichtigen Ziele des täglichen Lebens – Schulen, Läden, Restaurants – sind in 15 Minuten zu Fuss oder mit dem Velo erreichbar. Auch dies rechtfertigt eine teilweise Kostenübernahme durch die Allgemeinheit.

15min stadt

In Städten ist dieses Prinzip weitgehend erfüllt, teilweise sogar in zehn Minuten. Doch in Agglomerationen und ländlichen Regionen wird diesem Ansatz durch den Ausbau von Strassen und Schienen entgegengewirkt. Warum sollte eine Modekette in einer Kleinstadt eine Filiale betreiben, wenn sie in 20 Minuten mit Auto oder Zug auch in einer grösseren Stadt erreichbar ist? Werden diese Wege zusätzlich verbilligt oder gar kostenlos, beschleunigt dies die wirtschaftliche Ausdünnung des ländlichen Raums.

 

Nein zur Gratismentalität – nein zu kostenlosem ÖV.

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