Gross war der Aufruhr im Quartier, als 2020 die alte provisorische Passerelle über die Teufener Strasse abgebrochen wurde. Ersetzt wurde sie durch eine Lichtsignalanlage. Eine Grünbrücke wäre schöner, sicherer, besser und für manche direkter.

Nordportal der Grünbrücke über die Teufener Strasse beim Riethüsliplatz
Ich höre schon die laute Kritik: Die Finanzen der Stadt St.Gallen lassen solche teuren Hirngespinste nicht zu. Daher gleich vorweg: Die Teufener Strasse ist eine Kantonsstrasse. Für mich steht daher der Kanton zuerst in der Pflicht. Der vom Volk abgelehnte Liebeggtunnel hätte gegen 200 Millionen Franken gekostet. Der Preis der Grünbrücke wäre mit 2 bis 3 Millionen ein Bruchteilchen davon. Um den Verkehr wenig zu behindern, wäre ein Bau in Elementbauweise vorstellbar - und sogar günstiger.
Ein ca. 40 Meter langer Tunnel – also eine Grünbrücke – könnte die Wohngebiete östlich der Teufener Strasse mit jenen westlich davon auf fast gleicher Höhe verbinden. So würde sich ein Schulweg vom Nestweiher zum neuen Schulhaus Riethüsli nicht nur in der Distanz verkürzen, sondern auch zeitlich, weil Höhenmeter eingespart und nerviges Warten am Lichtsignal entfallen würden. Auf und neben der Brücke wäre eine Grünfläche, die auch einen Generationenspielplatz umrahmen könnte.

Südseite der Grünbrücke am Riethüsliplatz (Basis: Google und 3D-Stadtplan)
Der Riethüsli-Platz ist umringt von Projekten mit öffentlicher Nutzung – geplant, im Bau oder bereits ausgeführt sowie Plänen zu Strassenaufwertungen. Eigentlich nur eine lieblose Buswendeschleife an einer überdimensionierten Kreuzung, lassen diese ihn zu einem echten zentralen Quartierplatz mit städtisch urbanem Charakter werden.

Situation um den Riethüsliplatz mit Grünbrücke und allen Bauvorhaben (Basis: Geoportal und Projektpläne der Verfasser der unten beschriebenen Projekte)
Plätze – Treffpunkte auch in den Quartieren
Das Projekt «Zentrum Riethüsli» liefert die Fassaden, welche den Platz bestimmen. Die Aufteilung auf zwei unterschiedlich hohe Kopfbauten gegen den Platz lässt diesen grösser und städtischer erscheinen. Darin befinden sich Wohnungen, im Erdgeschoss Flächen für Läden oder ein Restaurant. Ob der Betrieb genug für die wahrscheinlich nicht tiefe Miete abwirft, wird sich zeigen. Zu wünschen wäre es.

Visualisierung Wettbewerbssiegerprojekt
Ist kurz vor der Vollendung. Das neue Schulhaus erfüllt alle zurzeit geforderten Ansprüche, hat eine gute Architektur und auch durch seine kompakte Form eine gute Energiebilanz. Dem verwinkelten Vorgängerbau muss nicht nach getrauert werden.

Am Waldrand mit Aussicht ins Grüne, was will man im Alter mehr. Man will mehr: eine Umgebung mit Restaurant, Läden und Park. Etwas mehr Ausrichtung auf den Platz wäre besser gewesen. Der Rest sollte kommen.

Der 1970er-Jahre Bau wird mustergültig saniert und auf den neusten Stand gebracht, ohne seine ursprüngliche Architektur zu verraten. Dabei wird auch hier mit Landverbrauch schonend umgegangen. Einziger Wermutstropfen: auf die Freilegung des Weiherweidbachs hinter dem Gebäude wird verzichtet.

Visualisierung Stadt St.Gallen
Wurde 2018 zweckmässig umgesetzt. Es wäre mehr möglich gewesen. Ich könnte mir vorstellen, dass das neue Zentrumshaus auch eine offene Front auf Perronhöhe hat. Dies könnte den Bahnhof – und das Zentrumshaus – aufwerten.

Nach Vollendung des Liebeggtunnels sollte die Teufener Strasse begrünt und aufgewertet werden, so dass Versprechen von Stadt und Kanton. Der Liebeggtunnel wurde zusammen mit dem Autobahnzubringer Güterbahnhof – der Teilspange – vom eidgenössischen und städtischen Volk am 24. September 2024 abgelehnt.
Es gibt nichts, was dagegen spricht, die versprochene Aufwertung trotzdem und bereits jetzt umzusetzen. Die Kapazität der Strasse wird dadurch nicht reduziert. Tempo 30 wäre zwar ein Gewinn zur Einhaltung der Lärmschutz-Verordnung des Bundes, aber keine Bedingung für den Strassenumbau. Die Hauptstrasse in Horn TG hat eine Breite von lediglich 6.30m, jene in Rorschach gar nur 6.00m, weitere im Kanton sind ebenfalls auf 6m geplant. In all diesen Fällen gilt Mischverkehr mit Velofahrenden, was auch funktioniert.

Visualisierung Stadt und Kanton St.Gallen
Plan Stadt und Kanton St.Gallen
Wie im Leitbild von Grünes Gallustal beschrieben, könnten zwischen den Bäume Parkplätze angelegt werden – eine Win-Win-Situation.
Auch die Demustrasse erhält eine Allee mit Parkplätzen dazwischen. Von einem rigorosen Parkplatzabbau, wie dies die Gegnerschaft dieses Projekts behauptet, kann somit keine Rede sein. Tempo 30 ist zumutbar, aber auch hier keine Bedingung für den geplanten Umbau. Damit könnte der Durchgangsverkehr via St.Georgen in den Osten der Stadt reduziert werden.
Sie ist wichtig, um das Nahverkehrssystem Teuefener-Strasse – Oberstrasse – Geltenwilenstrasse zu verflüssigen und zu steuern. Einfach zusammengefasst: Einmal Warten am Pförtner, dafür dann ohne Stau durchfahren bis zur St.Leonhard-Brücke. Die Gesamtfahrzeit bleibt dabei gleich. Dafür wird der ÖV nicht mehr behindert. Die Ideologie vieler Autofahrenden erlaubt die Denkweise, um den Vorteil und die Notwendigkeit des Pförtners zu erkennen, nicht. Sie gestattet auch nicht, die S-Bahn zu testen, um sich möglicherweise von deren Vorzügen überzeugen zu lassen. Schade.

Die Grünliberalen haben eine Grünbrücke bereits auf dem Plakat der Stadtparlamentswahl 2024 – etwas versteckt – dargestellt. Thematisiert haben sie sie kürzlich in einer Medienmitteilung zum Umbau der GBS.
Quartierplätze sind für die Grünliberalen der Kernpunkt, um Quartiere zu stärken
Quartierverein Riethüsli: zum Abbruch der Passerelle 2020