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Vorwärts

Gedanken, Ideen, Meinungen und Senf von Markus Tofalo

Krampfhaftes Festhalten an alten Ideologien

Vor einem Jahr, am 24. November 2024 hat das Stimmvolk der Schweiz und der Stadt St.Gallen nein gesagt zum Autobahnpaket «STEP 2023», inklusive der «Engpassbeseitigung St.Gallen». Anstatt das nein zu akzeptieren und nach Alternativen zu suchen,

  • werden Standesinitiativen mit Neuauflagen identischer Projekte nach Bern gesendet.
  • werden ETH-Gutachten erarbeitet, deren Vorgaben aus abgelehnten Projekten bestehen und weiterhin auf alten Ideologien basieren.
  • werden Kantonsratsbeschlüsse von einem Autolobbyisten höher bewertet als Resultate von Volksabstimmungen.
  • verharren Kantonsregierungen auf ihren Ideen bzw. Ideologien.

Eine derartige Missachtung eines Volkswillens ist beispiellos. Der St.Galler Stadtrat hat sich inzwischen gegen den Zubringer Güterbahnhof ausgesprochen. Er ist der Stadtbevölkerung und dem Stadtparlament verpflichtet, nicht dem Kanton.

rosenbergtunnel stgallen

 


Es ist Zeit, sich von der Ideologie zu verabschieden, jederzeit mit dem eigenen Auto staufrei überall hinfahren zu können und dort einen Parkplatz vorzufinden.


Es kann davon ausgegangen werden,
dass die Vorlage in der Stadt St.Gallen ohne dem Zubringer Güterbahnhof mit dem Liebeggtunnel angenommen worden wäre, weil die 3. Röhre Rosenberg wegen der anstehenden Sanierung als notwendiges Übel betrachtet wird.
Es wäre zu erwarten, dass nach diesem Abstimmungsresultat nach Alternativen gesucht wird. Wird es bis jetzt nicht.

Dabei gibt es sie.

5 Varianten, wie Autobahntunnels schon saniert wurden.


Zugegeben, die Nachtsanierung ist teurer
und dauert länger. Dafür könnten die 3. Röhre und neue Olma-Hallen eingespart werden. Und es ist ja nicht so, dass verschiedene Parteien nicht Vorschläge zur Minimierung des MIV aufs Tapet gebracht haben.

Eine nur zweispurige Sanierungsröhre, die sich lediglich auf den Bergbaubereich der Rosenberg-Tunnelanlage beschränkt, wäre ebenfalls günstiger, würde die Kapazität nicht erweitern und würde die Olma vor dem Abriss von 3 bis 5 Gebäuden und einer endlosen Baustelle bewahren. Nebenbei: Die Olma Messen gedenkt, die Halle 9.0 2026 für die Olma nicht mehr zu nutzen.

Eine 3. Röhre wäre auch ohne Abbruch von Olma-Hallen möglich.


Gegen jede Vernunft wird am Zubringer Güterbahnhof festgehalten

Die Doktrin von 2012 funktioniert: die Projektteile Rosenberg 3 und Teilspange aufzutrennen, ist offiziell kein Thema.

So kam es zur Teilspange

Bis heute hat noch niemand das Projekt Zubringer Güterbahnhof und Liebeggtunnel isoliert bewertet. Es ist Teil der «Engpassbeseitigung St.Gallen.» Punkt. Ausserhalb St.Gallens ist dieser Projektteil kaum bekannt. Dem Bundesparlament wurde nur ein Gesamtbetrag von ca. 1.3 Mia. CHF vorgelegt. Ich bin überzeugt, dass bei klarer Nennung des Betrags von 500 Mio. CHF für die Teilspange und in Kenntnis der starken Gegnerschaft, diese von finanzsensitiven Ratsmitgliedern zumindest hinterfragt worden wäre.

stgallen tunnelausfahrt bei stleonhardbruecke markustofalo 2024 10
Tunnelausfahrt bei der St.Leonhard-Brücke (Bild: Markus Tofalo auf Grundlage der vorliegenden Pläne)

Begründet wird der Zubringer Güterbahnhof mit der prognostizierten Überlastung des Anschlusses St.Gallen-Kreuzbleiche. Dieser würde vom Astra geschlossen, sollten sich Autos auf die Autobahn zurückstauen. Dieses Argument wurde im Abstimmungskampf genügend wiederholt. Es war auch den Nein-Stimmenden bekannt. Doch sie glauben nicht an diese Prognose oder nehmen die Schliessung in Kauf.

Zweifel an der Umsetzbarkeit

Ich glaube, sagen zu dürfen, dass ausserhalb des technischen Zirkels und den Planungsbüros niemand so tiefe Kenntnis vom Projekt hat wie ich. Die Politik argumentiert nur mit Wunschvorstellungen, Ideallösungen und Ideologien, wobei man die Phrasen der Vorredner kritiklos wiederholt. Hinweise nach Problempunkten werden weggeredet. «Man wird schon eine Lösung finden.» Wird man nicht.

Das Projekt ist ein Murks.

zubringer gueterbahnhof problempunkte

Der Autobahnzubringer Güterbahnhof ist so nicht umsetzbar – und wohl auch anders nicht, sonst wäre jene Lösung schon längst gefunden worden. Ich habe 20 Seiten zur öffentlichen Mitwirkung des kantonalen Teils des Projekt geschrieben, also dem Liebeggtunnel und den Ausfahrten aus dem unterirdischen Kreisel und dem Knoten St.Leonhard-Brücke.

Von den 86 Anträgen, welche ich im Namen des Vereins gegen den Autobahnanschluss am Güterbahnhof eingereicht habe, wurden nur 14 zurückgewiesen. 12 wurden aufgenommen und bei 60 ist in den Antworten von Überprüfung, Überarbeitung oder Detailnachlieferungen die Rede. Dies müsste die Politik aufhorchen lassen.

Der Kanton muss Schwierigkeiten einräumen.


Städte wie St.Gallen vertragen keinen zusätzlichen Verkehr

Doch nicht technische, sondern räumliche Schwierigkeiten sprechen hauptsächlich gegen einen Autobahnzubringer direkt ins Stadtzentrum. Die Flächen sind begrenzt. Selbst wenn man Lärm, Schadstoffe und das, was andere "Ideologie" nennen, tolerieren würde – es passen nicht mehr Autos in die Stadt und darum ist es nicht sinnvoll, die Kapazitäten der Einfallsachsen zu erhöhen. Der motorisierte Individualverkehr kann nicht beliebig zunehmen, weder fahrend, noch parkierend.
Man müsste das Regime rigoros umdenken: zwei Spuren pro Richtung und Parkhausanbindungen ohne Linksabbieger, damit möglichst wenig Lichtsignalanlagen nötig sind. Dieses einseitig aufs Auto ausgerichtete Regime will (fast) niemand.

Kapazitätsgrenzen in gewachsenen Städten

verkehr praesentation Seite 37
Schlauberger bringen
nach diesem Argument jeweils die Idee, die Teilspange ohne Anschluss Gütebahnhof bis zur Liebegg zu bauen. Die Verkehrszahlen rechtfertigen diesen Aufwand nicht. Das Astra hat die Umfahrung Herisau mit eben dieser Begründung gestutzt. Dabei weist die Alpsteinstrasse in Herisau wesentlich mehr Verkehr auf als die Teufener Strasse in St.Gallen.

Teufen direkt?

 

Mobilität ist ein Grundbedürfnis

Doch Bedürfnisse lassen sich durch zusätzliche Angebote auch wecken. Das Auto ist das beste Verkehrsmittel. Man ist unabhängig, hat immer Gepäckraum dabei und im Alltag rechnet man nur den Kraftstoff. Somit ist das Auto vermeintlich massiv günstiger als der öffentliche Verkehr. Werden die Möglichkeiten geboten, wird das Auto in den meisten Fällen dem ÖV vorgezogen. Die Bereitstellung der gewünschten Kapazitäten ist aber räumlich in Städten nicht mehr möglich.

Mobilität kann nur als System funktionieren – mit allen Verkehrsmitteln. Ein System ergänzt sich gegenseitig. Für welchen Weg welcher Verkehrsträger der optimale ist, wird nicht nur durch den Reisenden entschieden, sondern auch durch die örtlichen Gegebenheiten. In der Stadt sind diese nun mal anders, als in dünn besiedelten ländlichen Gebieten. Für eine Reise können auch mehrere Verkehrsträger zur Anwendung kommen.

Es fehlt am Willen, sich der neuen Ausgangslage anzupassen.


Den Druck seitens der Erfüllung des Klimaabkommens will ich gar nicht erwähnen. Das Klima ist in dieser Diskussion ohnehin für viele zweitrangig bis egal. Tunnelbohrungen sind hier keine Lösung.

Tunnelbauten als CO2-Schleudern

co2

 

Ist eine Brücke einsturzgefährdet, besteht Handlungsdruck. Sie wird vorerst gesperrt und dann zügig saniert oder neu gebaut. Steht unser Klima vor dem Kipppunkt, geschieht – nichts. Der Handausdruck wird ignoriert.

 

Verkehrszukunft in St.Gallen

Verein gegen den Autobahnanschluss am Güterbahnhof St.Gallen

Artikel auf «St.Gallen im Netz»

 

 

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