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Schlitteln in Bergün, Filzbach, Savognin und am Kronberg

Mehr als ein Wintersport für Arme

schlitteln7In der Tat: Schlitteln ist erheblich günstiger als Skifahren oder Snowboarden. Der Spassfaktor ist aber nicht tiefer – das Unfallrisiko übrigens ebenfalls nicht. Schlitteln boomt. Fast jeder Wintersportort führt inzwischen eine mehr oder weniger lange Schlittelbahn im Portfolio. Wir haben vier lange Ostschweizer Bahnen besucht.

Die Ausrüstung begrenzt sich im Minimum auf warme Kleidung und einen Davoser-Holzschlitten, den es für unter 100 Franken zu haben gibt. Idealerweise sollten Lederhandschuhe, Skihosen und hohe Schuhe mit starker Sohle getragen werden. Empfohlen sind auch Helme. So ungefährlich ist Schlitteln nämlich mitnichten, denn viele überschätzen sich. Geschwindigkeiten von 30 km/h sind üblich, auch 50 km/h sind schnell erreicht.

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Die häufigsten Unfälle ereignen sich aus Auffahrkollisionen, weil mitten auf der Bahn gehalten wird oder gestürzte die Ideallinie zuwenig schnell räumen. Auf vereisten Bahnen – und diese lieben Adrenalinjunkies besonders – ist eine Vollbremsung unmöglich, auch kurzfristige  Ausweichmanöver gelingen selten. Die Folge können auch starke Rückenverletzungen sein, weshalb manche auch Rückenpanzer tragen.
Neben dem einfachen Davoser findet sich in den Sportgeschäften mittlerweile eine grosse Auswahl an Schlitten. Seit Jahren stark im Kommen sind Sportrodel mit geneigten Kuven, welche vorne nicht hart verbunden sind. Dadurch lassen sie sich durch Ziehen am Seil lenken, ohne dass die Füsse eingesetzt werden müssen. Von Kunststoffbobs wird auf Schlittelbahnen abgeraten.

Schlitteln und Fondue – vielerorts gibt es Pauschalangebote, die Lust machen und vorallem von Gruppen und Firmen gebucht werden. Das Schlitteln als Sport ernst zu nehmen ist, zeigt sich an den Schmerzen, welche Untrainierte am Folgetag zu beklagen haben.

Von Schlittelfreunden wird Spontanität verlangt, denn während Skipisten sich in höheren Lagen befinden, sind Schlittelbahnen im unteren Bereich angelegt, wo der Schnee weniger lange liegt – wenn überhaupt. Darum: Will man auf die Bahn, muss man gehen, wenn Schnee liegt. Wer wartet, kann Pech haben und schon am nächsten Wochenende ist das Weiss weg oder es wird zu warm, was die Geschwindigkeit reduziert und die Gehabschnitte verlängert. Vor der Abfahrt sollte immer der aktuelle Zustandsbericht im Internet gecheckt werden.

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Savognin

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Die Bündner waren europaweit die ersten, welche vor über 30 Jahren im grossen Stil Schneekanonen installierten. Lange war es dann ruhig um Innovationen. In den letzten Jahren hat sich in Savognin aber wieder Einiges getan: Neue, leistungsfähige Lifte, ein trendiges Hotel bei der Talstation und gleich zwei neue Schlittelpisten, eine familientaugliche und eine für Adrenalinjunkies.
Beide starten in Somtgant und enden bei der Talstation, welche auch das ganze Skigebiet erschliesst. Zur Fahrt gehören idyllische Waldpassagen und sogar ein Tunnel. Nach halber Fahrzeit erreichen beide Strecken die Mittelstation Tiginas, von welcher aus wieder zwei Wege bis zum Tal zur Auswahl stehen. Wer will, kann sich auch gänzlich auf den oberen Abschnitt konzentrieren. Eine neue 10er-Gondelbahn sorgt für genug Kapazität.
Nachtschlitteln mit Stirnlampe steht leider nur ein paar wenige Male und zudem nur organisiert auf dem Programm. Einmal pro Saison findet die «Schlittada Trophy», ein Rennen, statt.

m ü.M.: 2110 bis 1200    
Bahnen: «Schlittada-Run», 7.5 km, 900 Höhemeter,
«Schlittada-Panoramica», 10.5 km, 900 Höhenmeter
Hochtransport: Sessellift und Gondelbahn, 1x umsteigen
Mietschlitten: bei CUBE-ACITVE, CHF 17.50
Tageskarte: CHF 39.-
Anfahrtszeit von St.Gallen: ca. 1h 45min

www.savognin.ch

+ genügend Hotels
- kein permanentes Nachtschlitten


Kronberg

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Liegt genug Schnee, findet der Schlittelfan in weniger als einer halbe Stunde Autofahrt von St.Gallen eine Bahn, die es nach Aussage der Verantwortlichen mit Bergün aufnehmen kann. Die im letzten Jahr eröffnete Schlittelpiste vom Kronberg nach Jakobsbad wurde auf diese Saison auf vielfachen Wunsch etwas entschärft. Allein die Höhenmeter versprechen viel. Start ist beim Gipfelkreuz auf dem Kronberg – mit einer Aussicht bis zum Bodensee. Auf der Fahrt auf der Kronbergschulter beigleitet einen rechts die Säntisnordwand, links ein herrliches Panorama bis zum Bodensee. Die Kapellenpassage verlangt etwas Must, bevor dann, nach kurzen Gehpassagen das Restaurant Scheidweg erreicht wird. Danach geht es über Wiesen talwärts – leider unterbrochen durch eine Gehpassage und durch Querstrassen.
Leider kann es bei Massenandrang an schönen Wochenenden zu ziemlichen Wartezeiten an der Talstation kommen. Die Verantwortlichen bieten auch interessante Pauschalpackeges an, z.B. der «Kronberg-Zmorge» am Sonntag mit 2 Bergfahrten und Schlittelplausch oder der «Schlittler-Hit», ein Fondue-Brötli mit Schlittelplausch inklusive 2 Bergfahrten.

m ü.M.: 1657 bis 884
Bahn: 7km, 770 Höhenmeter
Hochtransport: Luftseilbahn
Mietschlitten: 1- und 2-Plätzer, Nur solange Vorrat
Tageskarte: CHF 33.-
Anfahrtszeit von St.Gallen: ca. ½ h

www.kronberg.ch

+ kurze Anreise
- Wartezeiten an der Talstation


Filzbach Kerenzerberg

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Das Gute kann so nahe liegen! Hoch über dem Walensee befindet sich diese Schlittelbahn, auf einer Strasse von Filzbach zur Bergstation des Sessellifts. Diese Piste ist auch von Zürich aus in knapp einer Stunde erreichbar. Näher findet man nichts Vergleichbares. Gestartet wird hoch über dem Nebelmeer der Linthebene. Kurvig saust es in Richtung der gemütlichen «Raststätte» Talalp. Von da an geht es in rasanter Fahrt, und mit nur zwei 50-Schritt-Gehabschnitten, ins Tal runter, wobei auch Wiesenabkürzungen möglich sind. Mit einem guten Schlitten macht das Rodeln auf dieser Strasse bei Eis noch mehr Spass. Im Mietangebot sind auch Airboards für die Wiesenabfahrt. Trotz der tiefen Lage liegt hier der Schnee dank Schattenlage lange. Bei Schneemangel wird die Bahn auf die obere Streckenhälfte verkürzt. Nachtschlitteln jeweils freitags 18 bis 21 Uhr mit Fondueplausch oder täglich für Gruppen ab 30 Personen.

m ü.M.: 1280 bis 740
Bahn: 7km, 540 Höhenmeter
Hochtransport: Sessellift
Mietschlitten: «Eko Star» aus Kunststoff, CHF 15.-
Tageskarte: Halbtageskarte ab 12 Uhr 22.-
Anfahrtszeit von St.Gallen: ca. 1h

www.kerenzerbergbahnen.ch

+ kurze Anreise
+ keine Wartezeiten, keine Fussmärsche
- tiefe Lage

Bergün

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Mit der Piste auf der Albulapassstrasse und jener auf dem Darlux-Serpentinensträsschen ist Bergün das Schlittelmekka. Das beschauliche Dorf stellt sich gänzlich auf Kufen ein, obwohl auch reizvolle Skipisten vorhanden sind. Die zügige Fahrt entschädigt für den bei leichtem Sulz nicht gerade kurzen Marsch vom Bahnhof Preda zum Startpunkt. Besonders empfehlenswert ist die nächtliche Talfahrt, beleuchtet vom Mond und einigen Talscheinwerfern. Findet man ein Hotel, was leider in Bergün nicht einfach ist, kann mir hier auch den Ausgang in einer der gemütlich kleinen Bars geniessen. Unkompliziertes übernachten im LA STAILA, einer Zivilschutzunterkunft. Erholung und Retablierung findet man am Folgetag im Thermalbad mit einem 36-Grad-Aussenbereich in Bad Alvaneu.

m ü.M.: bis 1970 bis 1370
Bahnen: Albulapassstrasse: 6km, 400 Höhenmeter;
Darlux: 4km, 600m Hohendifferez
Hochtransport: mit der Albulabahn im 1/2-Stunden-Takt (UNSECO) oder Sessellift
Mietschlitten: auch Sportrodel, verschiedene Ausführungen
Tageskarte: CHF 27.- (mit Halbtax für Bahntransport)
Anfahrtszeit von St.Gallen: ca. 2h

www.berguen-filisur.ch

+ abweschlungsreich
- Fahrplanabhängigkeit beim Hochtransport

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Viel Verkehr auf der Darlux-Piste von Bergün

Video: Schlitten auf der 7.5 km langen Piste in Filzbach

Traumfahrt auf meiner Geheimtipp-Schlittelpiste in Filzbach-Kerenzerberg. ca. 7.5 km voller Genuss!

Posted by Markus Tofalo on Donnerstag, 26. Februar 2015
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