SCHWEIZERISCHE BODENSEE ZEITUNG vom Versteckte Kamera stoppt deutsche Radler
Jugendliche Fernsehmacher provozierten mit angeblicher «Vignetten-Pflicht» »
Reportage von Ueli Daepp Nicht wenige Velofahrer staunten, als sie in diesen Tagen die Kontrollstelle der «Stiftung zur Förderung von Velostrassen» auf dem Seeradweg zwischen Strandbad und Seeparksaal passierten. Tafeln informierten über eine «Vignetten-Pflicht» auf dem Seeradweg. Hinter dem perfekt inszenierten Gag steckt das Arboner Lokalfernsehteam. «Halt, bitte steigen Sie vom Rad!» Der Befehl gilt einem deutschen Velotouristen. Die beiden jungen «Beamten», wichtigtuerisch mit Funkgeräten und oranger Sicherheitsweste ausgerüstet. erfrechen sich, dem grau-melierten Schwaben vorzuschwindeln. er benötige eine Velovignette, sofern er auf dem Seeradweg weiterfahren wolle. Der Gag wird mit einer «versteckten Kamera» festgehalten. Der Kameramann h[Holt gut getarnt vom nahen Baum herab. Die zweite Kamera, ein neuartiges Digital-Gerät, sieht «unbernannt» und unscheinbar auf einem Tisch und zeichnet auf, was sich soeben vor der Linse abspielt. «Komm, wir kehren um!» Der deutsche Radfahrer greift sich an die Stirn, als ihm die beiden «Beamten» eine (selbstkreierte) Velovignette «für zwei Franken oder fünf (!) D-Mark» aushändigen wollen. «Des gibt's doch niet. Sowas hab' i no nie erlebt!» empört sich der Deutsche. Seine Frau will umkehren und die Radtour auf anderen Wegen Richtung Rorschach fortsetzen. Vignette statt EU-Gelder Die falschen Beamten wirken mit ihrer Argumentation dann aber doch glaubwürdig: «Da die Schweiz keine EU-Subventionen erhält, muss sie anders zu ihrem Geld kommen.» Der Unterhalt des von vielen Deutschen und Österreichern benutzten Seeradweges koste halt viel. Verächtlich zückt dann der Radier seinen Geldbeutel - und zahlt. «Weiterso!» Wie er auf sein Rad aufsteigen will, teilen ihm die als Beamte getarnten Fernsehmacher Andy Bühler und Roman Sturzenegger mit, dass er soeben auf einen Gag mit der «versteckten Kamera- hereingefallen sei. Die jugendlichen erzählen, dass sie für das jugendmagazin «Twelve- des Lokalfernsehens Sulgen filmten. Der Mann lacht herzhaft, lacht über sich und den Scherz. «Macht weiter so!» meint er dann und fährt gemeinsam mit seiner Frau, die nun ebenfalls schmunzelt, weiter. Die Fernsehmacher haben keinen Aufwand gescheut für ihren «Versteckte Kamera Film». Ihre Beamtenkleidung. die selbstgemachten Vignetten, die Hinweissignale «Kontrolle» und die drei Sicherheitsleute mit den «Action-Security»-T-Shirts wirken seriös. «Geben Sie mir den Film!» Weitere Velotouristinnen und -touristen fallen auf den Gag herein. Eine deutsche Touristin emport sich über den unverschämten Wechselkurs: «Zwei Franken oder fünf D-Mark - und als Retourgeld halten die «Beamten» Lire bereit?» Die Frau zahlt und wird dann über den Schwindel aufgeklärt. Sie reagiert barsch: «Das dürfen Sie auf dem Film nicht verwenden». Sie fordert, ihr die Filmkassette auszuhändigen. Doch die junger TV-Macher beruhigen sie diplomalisch. Sie bestätigen ihr schriftlich, die soeben gedrehte Filmsequenz wieder zu Iöschen. Gewitter stört Dreharbeit Plötzlich naht ein Gewitter. Im Regen reagieren die vor den «Vignetten-Verkäufein~ gestoppten Velofahrer plötzlich recht aggressiv. Trotzdem tappen sie zur Freude der Fernsehmacher mehrfach in die «Falle»., Die Dreharbeiten für die «Versteckte Kamera» am Seeradweg werden wegen des Unwetters vorzeitig abgebrochen. Die jugendlicher müssen wohl nochmals auf «die Pirsch». Denn wer die TV-Macher der Jugendsendung Twelve mit ihrem jugendlichen Elan kennt, weiss, dass sie keine Halbheiten am Bildschirrn dulden. |